Schwäbischer
Albverein e.V.

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Ortsgruppe
Neuhausen / Fildern

23.05.2002

Jumelage/Partnerschaftstreffen 8.-11.5.2002 (anklicken der Bilder erhöht die Auflösung)

Am 13.5. traf bei einem unserer Mitglieder eine E-Mail aus Frankreich ein, die man uns wie folgt übersetzt hat:

"Wir möchten euch nochmals für die vier in Neuhausen verbrachten Tage danken. Der Austausch war wieder ein großer Erfolg. Alle "Péronnasser" waren begeistert von ihrem Aufenthalt in Deutschland.

Während der Heimreise haben wir alle die schönen Photos des Austausches angeschaut und wir danken Ludger Schmidt für diese wundervolle Arbeit..." (Unser Gastgebergeschenk an unsere französischen Freunde war ein Fotoalbum mit den Aufnahmen des Partnerschaftstreffens. Unsere französischen Freunde haben also an unserem Geschenk selbst kräftig mitgewirkt!)

"... Wir haben fest an euch gedacht, als wir das Bier aus den schönen Krügen getrunken haben, die ihr uns geschenkt habt..."

Wie aber kam es zu dieser E-Mail, die uns alle sehr gefreut hat, vor allem diejenigen, die zum Gelingen des Partnerschaftstreffens als Gastgeber, und/oder bei der Vorbereitung und Durchführung in besonderer Weise beigetragen haben?


Also, alles von vorne und der Reihe nach: Am Mittwochnachmittag, fünf Minuten vor der "Soldaten-pünktlichkeit‘, also um 10 Minuten vor fünf Uhr bog der Bus aus Péronnas zum Rathaus ein. Unsere franzö-sischen Freunde waren höflich genug, uns nicht zu sagen, was sie gedacht haben, als sie das spärliche "Empfangskommitee" sahen.

Sie (und wir natürlich auch) waren von den seitherigen Treffen etwas anderes gewöhnt! Des Rätsels Lösung folgte dann aber schon nach wenigen Minuten und Schritten, hin zum Ostertagshof, wo schon das "richtige" Empfangskommittee wartete.

Und da ging dann auch gleich so richtig "die Post ab". Im Wege der Eilentscheidung hatten wir den Empfang nach draußen verlegt, denn Petrus spielte seine Rolle perfekt (wie übrigens auch an den folgenden Tagen, während des ganzen Treffens). Da war sie nun wieder: die alte und gewohnte Herzlichkeit.

Man sah viele bekannte Gesichter, aber auch einige neue Freunde, darunter erfreulicherweise

auch einige Kinder und Jugendliche.

Die Gemeinde Neuhausen hatte dankenswerterweise

den Begrüßungssekt, andere Getränke und Butterbrezeln spendiert.

Unser erster Vorsitzender,

Gerd Reinauer begrüßte Gäste und Gastgeber, stets getreulich übersetzt von Conny Fuchs.

Für das Partnerschaftskomitee der Gemeinde Neuhausen und in Vertretung von Bürgermeister Hacker sprach

Herr Bolich.

Bald löste sich die Versammlung auf und man begab sich zu den Gastgeberfamilien zum ersten Abendessen. Manche Familien hatten sich zu Mehreren zusammengetan, sodass es keinerlei Sprach- oder andere Schwierigkeiten gab.

André Delarue

war wieder direkt mit nur einer Übernachtung mit dem Fahrrad von Péronnas, diesmal auf Anhieb und pünktlich ins richtige Neuhausen, geradelt.

Am nächsten Morgen, dem Himmelfahrtstag, brach man fast pünktlich zum ersten Wandertag auf die Münsinger Alb auf. Die Fahrt ging bis Gomadingen. Von dort erklomm man

- nur ein bisschen schnaufend und schwitzend - den Sternberg.

Lohn für die Mühe war

ein schöner Rundblick vom Turm auf dem Sternberg über die Hochfläche der schwäbischen Alb und auf Gomadingen.

Ein Stückchen weiter unten, mitten auf der Wacholderheide, wurde dann der Gipfelschnaps nachgereicht und man versammelte sich zum

offiziellen Gruppenfoto fürs Jumelage-Album.

Nach kurzer Fahrt erreichten wir dann in Ödenwaldstetten das "Lamm" mit "Speidel‘s Brauereile". Nach dem dort das Mittagessen eingenommen worden war, wurden die Teilnehmer

durch den Chef persönlich gründlich in die Geheimnisse des "Bierbrauens nach dem Deutschen Reinheitsgebot" eingeweiht. Schwerstarbeit für Conny Fuchs: vom Schwäbischen (im Kopf ins Hochdeutsche und dann) ins Französische!

Für das superfrische Naturtrübe war keinerlei Übersetzungstätigkeit erforderlich. Es schmeckte Franzosen und Deutschen gleichermaßen und auf Anhieb hervorragend.

Der obligatorische Käse nach dem Mittagessen wurde dann gleich

am Entstehungsort auf dem "Bioland-Bauernhof mit Käserei" der Familie zusammen mit den nötigen Informationen von der Bäuerin in perfektem Französisch serviert. Einen kleinen Personalengpass behob der Chef auf geniale Weise: Damit’s beim Käseverkauf besser lief, wurde

Marie-Louise Cech kurzerhand zur Käserei-Sonderkassiererin ernannt und eingesetzt.

Danach lotste Hermann Cech den Bus "einfach" anhand der Wanderkarte über kleinste Nebensträßchen zu den Steighöfen hoch über dem Lautertal. (Wegen tief hängender Äste hatte man von der vorgesehenen Route abweichen müssen.)

Von den Steighöfen wanderten wir - immer oben an der Hangkante entlang - hoch über dem Lautertal zur

Aussicht über Gundelfingen und weiter zur

Burg Derneck

Von dort schafften wir in wenigen Minuten den Abstieg zum Bus, der unten im Lautertal auf uns wartete.


Am Abend hatte Brigitte Gaiser‘s Fasnetsqruppe "Krumme Naht"

die Tische in der Schlossscheuer festlich in den französischen Landesfarben gedeckt. Brigitte Gaiser‘s legendärer Kartoffelsalat und andere von den Gastgeberdamen gespendete Salate und knusprige Spanferkel-Rollbraten schmeckten Gästen und Gastgebern gleichermaßen.

Bernhard Gaiser

legte gekonnt vor. Wie man hört, war er in seinem früheren Leben ein perfekter Gastwirt. Während dessen zauberten die Damen von der "Krummen Naht" schon

das Dessert: Vanilleeis an Erdbeeren und Erdbeersoße, garniert mit frischer Sahne!

Auch am Freitagmorgen brach man pünktlich zum zweiten Wandertag, zunächst nach Weil der Stadt auf. Der dortige Stadtführer war ein Glücksfall! Wie er die Aktivitäten der französischen Truppen nach dem 30-jährigen Krieg "rüberbrachte", ohne den französischen Gästen zu nahe zu treten, das macht ihm keiner nach! Immerhin hatte der damalige Stadtbrand die völlige Zerstörung der Stadt zur Folge.

Zunächst wurden wir kenntnisreich und höchst unterhaltsam durch die Altstadt und zum Narrenbrunnen

und dann zu Weil der Stadt‘s großem Sohn geführt, zu

Johannes Kepler, der mitten auf dem Marktplatz auf seinem Denkmalsockel thront. Für unsere französischen Gäste hatten wir danach einen kurzen Rundgang im Museum in Kepler‘s Geburtshaus organisiert. In der Stadtkirche "St. Peter und Paul" waren französische wie deutsche Teilnehmer tief beeindruckt und sehr nachdenklich angesichts des Mutes, im Jahr 1942 !!! ein Glasfenster

mit der "Versuchung Jesu" anzubringen mit Adolf Hitler als Satan und Verführer.

Nach einer derart gehaltvollen Stadtführung, einer kurzen Omnibusfahrt und einer etwa 10-minütigen "Bergbesteigung" war dann wohlverdient, was uns auf dem "Kuppelzen" erwartete: ein Fass kühles Bier und ein mit

saftigem Grillfleisch und allerlei Würstchen bestens bestückter Grill und alles auf die Minute fertig zum Genießen! Das taten Franzosen und Deutsche

dann auch ein weiteres Mal ausgiebig, zumal auch für allerhand "gesundes", Salat, Gurken, Paprika usw. bestens gesorgt war.

Mit dem Bus folgte der Abstieg ins Nagoldtal nach Bad Liebenzell. Auf der anschließenden 2-stündigen Wanderung im Monbachtal wartete das Abenteuer auf uns. Jetzt wurde es erst so richtig feuchtfröhlich! Aber die Feuchtigkeit war pures Wasser und kam von aussen unten. Was bei der Vorwanderung im März eine leichte Übung gewesen war, geriet jetzt

zur Herausforderung. Der Monbach führte ein mittleres Hochwasser und musste sechsmal auf wasserüberlaufenen Furten, ein Mal über einen Baumstumpf, ein anderes Mal balancierend über ein manchmal verdächtig sich biegendes Baudiel überquert werden. In den Bach gefallen ist niemand. Aber ein bisschen Hochwasser in den Wanderstiefeln und vor allem in Turnschuhen gab es schon.

Am Abend beim Festakt mit Reden und einem ebenfalls festlichen Menü war das alles schon wieder vergessen. Guido Schaller mit Frau und Tochter, adrett im Partydienst-Dress, hatte aufgetischt, nachdem unsere Fasnetsgruppe und die Damen der "Krummen Naht" in den großen Saal des katholischen Gemeindehauses schon ein vielbewundertes festliches Ambiente hineingezaubert hatten.

Pierre Martinez, in Vertretung des ersten Vorsitzenden der Association Randonneé, der beruflich verhindert war, Anführer der französischen Gruppe, bedankte sich

bei allen Mitwirkenden und hilfreichen Geistern für das schöne Fest und erkundigte sich nach unserem Rezept, wie man es macht, dass es nachts regnet und man tagsüber schönes Wetter hat. (Der Trick ist ganz einfach und sei hier gerne verraten: wir laden uns viele liebe Gäste ein).

Als Gastgeschenk überreichte Pierre Martinez eine schöne große kupfergetriebene Schale mit Weintrauben-Motiv, die bereits einen Ehrenplatz in unserer Schlossscheuer gefunden hat.

Für 2004 wurden der Schwäbische Albverein wieder zum Gegenbesuch nach Péronnas eingeladen.

Auch unser Jumelage-Komitee

blieb nicht ohne verdienten Lohn: sinnigerweise gab es Frotteehandtücher mit eingesticktem Albvereins-Emblem. Somit konnte der von den Vorbereitungsarbeiten verbliebene Schweiß standesgemäß entsorgt werden (v.l.n.r.: Ludger Schmidt, Marie-Louise Cech, Hermann Cech (Vorsitzender), Brigitte Gaiser, Conny Fuchs, - Pierre Martinetz -, am Rednerpult: Michael Zimmer, leider nicht mit auf dem Bild: Siegfried Melzian)

Und dann: immer wieder diese Entscheidungen! Mal

an der bunt bestückten Kuchentheke, mal

an der Käseplatte.

Nach all‘ den kulinarischen Genüssen konnten nun Kultur und Geselligkeit ihren ungehemmten Lauf nehmen. Unsere

Singgruppe gab bei mehreren Auftritten ihr Bestes, zum Teil sogar auf französisch. Unsere Gäste versicherten uns, ihre Sprache wiedererkannt zu haben und stimmten

bei "Frère Jaque..." und "Le Coq est mort..." aus voller Kehle mit ein. Unsere Fasnetsgruppe

riss das Puplikum mit Ballettt der besonderen Art zu Begeisterungsstürmen hin.

v.l.n.r.: Roland Federschmid, Michael Zimmer, Bernhard Reckels, Werner Hasenöhrl, Wolfgang Lang.


Den Saal vollends zum Kochen brachte

unsere Tanzgruppe, als sie nach einigen Volkstänzen das Publikum zum Mittanzen animierte. Wir hatten aber auch ein tolles Publikum!

Unsere französischen Gäste

gaben auch selbst spontan so manche temperamentvolle Einlage.

Wen wundert‘s da noch, dass

die deutsch-französische Verständigung, je länger der Abend, immer besser funktionierte.

Wie auch immer, auch der schönste Festabend hat einmal ein Ende. Zu guter Letzt durften auch

die Damen von der "Krummen Naht" sich ihr Glas Sekt und den hoch verdienten Beifall aller abholen: (v.l.n.r.: Gerda Reichert, Ramona Federschmid, Maria Grau, Brigitte Hasenöhrl, Heidi Engel, Gerti Wetel, Roswita Klär-Zimmer, Christine Zink, Brigitte Gaiser).

Das Glas Sekt, das sich unser Faktotum, Bernhard Gaiser heimlich abzuholen gedachte, hat er sich jedenfalls ebenfalls redlich verdient.

Beim Küchendienst zum Kehraus halfen dann Franzosen und Deutsche wie in einer richtigen Familie noch mal tatkräftig zusammen, auch dies mittlerweile nach mehreren vorangegangenen Treffen schon gute Tradition.

Der Lohn für so viel Hilfsbereitschaft ließ

nicht lange auf sich warten.

Am Samstagmorgen, dem Abreisetag unserer Gäste wurde dann nicht allzu lange ausgeschlafen. Verschiedene Gastgeber nutzten den Vormittag zu unterschiedlichen Aktivitäten zusammen mit ihren jeweiligen Gästen. U.a. wurden Grüppchen unter den Antennen des Fernsehturms und auf der Landesgartenschau gesichtet. Ab 12 Uhr traf sich dann alles, was Beine hatte, zu

Abschiedsreden und Abschiedsessen in der Schloßscheuer. Nach 14 Uhr dann das Unvermeidliche: der Abschied: Roswita Klär-Zimmer hat zu guter Letzt

das Sonnenblumen-Kostüm der "Krummen Naht" präsentiert. Fürwahr ein gutes Omen!

Wenn ein Bild mehr als 1000 Worte sagt, kommen jetzt noch 6000 Worte.

"Auf Wiedersehen 2004!" an unsere bezaubernden französischen Gäste. Und: Danke, danke, danke sagt das Jumelage-Komitee allen Gastgebern und allen anderen Hilfsbereiten von der "Krummen Naht", der Fasnetsgruppe, der Singgruppe und der Tanzgruppe und vom ganzen Schwäbischen Albverein, sowie der Kath. Gemeinde. Ihr wart alle wieder ganz, ganz toll und einfach wunderbar! Das "Zeugnis" aber, das uns unsere Gäste ausgestellt haben (siehe am Anfang dieses Berichts), ist für uns alle der denkbar schönste Lohn.

Bitte vormerken: Termin für Jumelage-Nachfeier für alle Gastgeber und Mithelfer (s.o.): Fr., 14.6., 19.30 Uhr, in der Schloßscheuer. Näheres demnächst im Gemeindeblatt.

Bericht und Bilder Ludger Schmidt