Schwäbischer
Albverein e.V.

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Ortsgruppe
Neuhausen / Fildern

08.08.2002

Artikel für's Blättle bis sonntags, 18:00 Uhr an:
mitteilungsblatt@albverein-neuhausen.de

Die schönsten Nationalparks und masurische Seenplatte per Rad erleben

Am Samstagnachmittag, 15.6. fuhren 12 Albvereinler mit der Bahn nach Warschau. Nach 15-stündiger Fahrt wurden wir Sonntag früh am Bahnhof Warszawa Centralna von unserer Reiseleiterin Kasia begrüßt. Weiter ging es mit einem Bus nach Frankopol, wo uns ein mehrgängiges landestypisches Mittagessen erwartete. Später fuhren wir nach Grabarka weiter und besichtigten das Pilgerzentrum Heiliger Berg mit einem russisch -orthodoxen Kloster, dem einzigen Frauenkloster Polens. Die Busfahrt endete in Topido. Dort erwartete uns Darek mit dem Begleitfahrzeug und den Fahrrädern. Nachdem sich jeder mit seinem Gefährt für die nächsten zehn Tage angefreundet hatte, legten wir gleich die ersten 23 km zurück. Auf Waldwegen ging es nach Bialowieza ins Hotel Bialowieski, in dem wir nun drei Nächte logieren werden.

Am Montag, 17.6. besuchten wir den Tierpark in Bialowieza. Wir fuhren entlang der Grenze zu Weißrussland und sahen Wisente, EIche, Wildpferde, Wildschweine. Dann streiften wir durch ein Freilichtmuseum mit Windmühlen und einem orthodoxen Kirchlein. Nachmittags ging es mit einem Führer ins Urwaldmuseum; daran schloss sich eine 3 1/2-stündige Wanderung durch den Urwald. In diesem strengen Naturschutzgebiet, das bereits über 70 Jahre existiert, sahen wir Eichen, die bis zu 41 m hoch werden, die Steinlinde und die Esche erreichen Höhen bis zu 43 m und die Fichte 50 m.

Gegen 20 Uhr begann der Grillabend beim Hotel mit Lagerfeuer und Musik. Dabei ging es sehr lustig zu, und wir lernten unsere anderen Reiseteilnehmer aus Hamburg, Kiel, Berlin, Bautzen und Tübingen näher kennen. Anderntags radelten wir durch den Urwald nach Narewka und besuchten auf den Spuren der Vergangenheit den alten jüdischen Friedhof. Nach einer Mittagspause am gleichnamigen Fluss begann eine 12 km lange, lustige Kajakfahrt (immer zwei in einem Boot). Alle kamen recht und schlecht ans Ziel; keiner fiel ins Wasser. Später wanderten wir zum Revierförster und sahen unterwegs immer wieder Störche. Wir wurden mit Jagdhornblasen am Forsthaus empfangen und mit Kaffee, Tee, Kirschsaft und Streuselkuchen bewirtet. Nach dieser Stärkung führten uns der Förster und seine Frau zu einer Biberburg. Wir sahen die Schäden, die die Biber anrichten, denn ganze Waldteile standen unter Wasser. Gegen 18 Uhr wurden wir mit dem Bus heimgefahren, wo uns wieder ein köstliches Abendessen serviert wurde.

Am Mittwoch früh, 19.6. mussten die gepackten Koffer zu Darek an den Begleitbus gebracht werden, denn heute Abend werden wir ein neues Domizil beziehen. Vor dem Hotel treffen wir uns zur Gymnastik mit Karin aus Hamburg und dann radelten wir 42 km durch den Bialowieska-Nationalpark. Zur Mittagszeit stießen wir mitten im Wald auf Darek, der uns eine reiche Picknicktafel gezaubert hatte. Auch Kaffee, Tee, Saft und Mineralwasser gab es, und Kasia las uns aus Siegfried Lenz "So zärtlich war Suleyken" die Geschichte vom Tantchen Arafa gekonnt vor. Nachmittags wurden wir von Swinoroje mit dem Bus nach Suraz gefahren, um dort ein ethnografisches Museum zu besichtigen. Suraz, an der Narew gelegen, ist die kleinste Stadt Polens. Mit dem Bus ging es dann bei großer Hitze weiter nach Waniewo, einem winzigen Dorf fast "am Ende der Welt", wo wir in einer kleinen urigen Pension mit sehr guter polnischer Spezialitätenküche untergebracht sind.

Am Donnerstag, 20.6. radelten wir nach dem Frühstück und einem Geburtstagsständchen für unsere Helga zum Narew-Nationalpark, in dem zahlreiche Wasservogelarten zu Hause sind. Wir besichtigen in Kurowo eine Ausstellung über Flora und Fauna dieser Gegend. Unterwegs besuchten wir noch eine interessante Kirche, ehe auf dem Heimweg nach Waniewo Kasia's Rennrad von unseren männlichen Radlern problemlos repariert werden musste. Darek erwartete uns im Garten der Pension wieder mit einem tollen Picknick, Kasia unterhielt uns wieder mit einer Lenz-Geschichte und um 15 Uhr ging es mit Schwimmwesten zur Stocherkahnfahrt auf dem Narew-Fluss. Nach dem Abendessen schwammen noch einige in der Narew, und dann wurde auf Helgas Geburtstag angestoßen.

Am Freitag musste wieder Abschied genommen werden. Der Bus brachte uns nach Tykocin, um die Synagoge aus dem 17. Jahrhundert und das Museum zu besuchen. Anschließend fuhren wir mit unseren Drahteseln ca. 60 km bis Goniads ins Hotel Zbyszko. Vor dem Abendessen ging es zum Schwimmen im Fluss. Täglich freuten wir uns aufs Abendessen. Heute servierte man uns z.B.:

  • 1. Gang: div. Salate, Fischpastete, Sardellen
  • 2. Gang: Suppe
  • 3. Gang: Kartoffeln gefüllt mit Hackfleisch und Pilzen, Gemüse und Salate
  • 4. Gang: Eis mit Sahne, Früchten und Schokolade, Obstschale und div. Süßigkeiten
  • und wie jeden Tag: Tee, Kaffee, Mineralwasser.

Nach diesem köstlichen Menü wurde auf das Wohl von Angelika aus Bautzen, die heute Geburtstag hatte, getrunken.

Am Samstag, 22.6. traf man sich nach dem Frühstück zur Morgengymnastik. Danach fuhren wir eine Stunde mit dem Bus zum Biebrza-Nationalpark. An der Försterei Grzedy erblickten wir unsere Fahrräder, versehen mit Lunchpaketen. Auch Darek stand mit den großen Wasserflaschen bereit, denn er versorgte uns jeden Morgen und bei jeder Pause mit Mineralwasser. Nach 5 km Radstrecke wanderten wir unter fachkundiger Führung einer hübschen Dame 10 km in den größten und natürlichsten Hochmoorgebieten Europas. Hier zeichnete sich die Pflanzenwelt durch ihre außerordentliche Vielfältigkeit aus. Beim Aussichtsturm Wzgorza Perewida hielten wir Mittagsrast. Wieder an der Försterei angelangt, wurden die Räder verladen, und wir fuhren mit dem Bus zum Grenzstein Litauen - Preußen. Später stiegen wir auf die Fahrräder und radelten nach Elk = Lyck - Chelchy ins Hotel Lega lnn. Zunächst schwamm man im Hallenbad einige Runden, ehe wir uns um 19 Uhr zum Abendessen trafen. Später sahen wir auf unserem Spaziergang noch einige besetzte Storchennester. Im Hotel wurde eine polnische Hochzeit gefeiert. Auch wir genehmigten uns noch einen Schlaftrunk.
Wir haben Sonntag, den 23.6. . Früh schwangen wir uns auf die Räder, um 72 km zurückzulegen. In Wydminy besuchten wir eine Kirche aus dem 17. Jahrhundert. Auf der Weiterfahrt regnete es in Strömen und wir wurden mal so richtig nass, so dass auch unser Picknick buchstäblich ins Wasser fiel. Ein freundlicher Gastwirt bei Stare Juchy stellte uns seine Gastwirtschaft und Gastfreundschaft zur Verfügung und wir durften unser Picknick bei ihm abhalten. Wo gibt es denn so etwas noch?!? Nach 17 Uhr trafen wir im Hotel Gajewo in Gizycko = Lötzen, der Hauptstadt Masurens, ein.

Tags darauf, es ist bereits Montag, radelten wir durch Gizcyko, mussten an einer Drehbrücke einen längeren Aufenthalt in Kauf nehmen und trafen an der Schiffsanlegestelle ein, um zur Kormoraninsel zu fahren. Auf der zweistündigen Fahrt auf dem Mauersee kamen wir am Naturreservat auf dem Kisajnosee vorbei, wo Hunderte von Kormoranen auf den Bäumen nisten. Wir trafen in Sztynort = Steinort ein, nahmen von Darek unsere Räder in Empfang und fuhren zum Schloss Steinort, das Gräfin Lehndorff, geb. Dönhoff im 17. Jahrhundert erbauen ließ. Durch die schönste Allee Masurens radelten wir an einen kleinen See, an dem uns Darek wieder mit einem vielseitigen Picknick überraschte. Und wie Kinder auf die Gutenachtgeschichte, so warteten auch wir nach der Mahlzeit auf Kasias originell vorgelesene Lenz-Geschichte. Weiter ging es zur Wolfsschanze, Adolf Hitlers Hauptquartier. Ein versierter Fremdenführer erzählte uns, dass der Bau der Bunkeranlage von der Organisation Todt 1940 begonnen und bis zur Sprengung im Januar 1945 nicht abgeschlossen wurde. Hitler verlegte im Juni 1941 sein Quartier hierher und verbrachte bis zum Spätherbst 1944 die meiste Zeit in diesen Bunkern. Die ge-dämpfte Stimmung, die man hier empfindet, resultiert nicht nur aus der Tragik; auch der dunkle Wald mit den Betontrümmern trägt dazu bei. Danach stiegen wir auf die Räder und fuhren zum Hotel Agros in Ketrzyn = Rastenburg, einem sehr schönen Haus, in dem wir die beiden letzten Nächte unserer Reise untergebracht sind. Heute legten wir mit dem Rad 58 km zurück. Vor dem Abendessen versammelte sich die Gruppe zum Fototermin vor dem Hotel. Später entschlossen sich noch verschiedene Reiseteilnehmer zu einer Ballonfahrt mit dem größten Heißluftballon Polens mit 5.000 cbm Rauminhalt.

Es ist Dienstag, der 25.6. und wir fahren mit dem Bus nach Swieta Lipka = Heilige Linde (masurisches Tschenstochau). In der Basilika wohnten wir einem Orgelkonzert bei und erfahren von der örtlichen Fremdenführerin die Legende um diese barocke Wallfahrtskirche aus dem 17. Jahrhundert, deren Besuch man nicht versäumen sollte. Danach ging es per Rad weiter nach Reszel Rößel. Hier stehen noch zahlreiche Häuser aus dem Wiederaufbau der Stadt nach dem Großbrand 1807. Die Bischofsburg ist im ursprünglichen Zustand erhalten geblieben, und lohnend war auch die Besteigung des Turmes. Wir radelten an einen See zum letzten Picknick und einer Lenz-Geschichte. Gerade waren wir mit Zusammenpacken fertig geworden, als Regen einsetzte, der uns über die ganze Heimfahrt ins Hotel begleitete. Wir trafen nass, aber relativ früh zu Hause ein und konnten so noch das WM-Fußballspiel Deutschland - Korea im Fernsehen verfolgen. Abends ließen wir dann unseren Erwin, der heute Geburtstag hatte, hochleben.

Mittwoch früh marschierten wir mit gepacktem Koffer und Lunchpaket aus dem Hotel, denn heute war Heimreisetag. Nachdem wir mit dem Bus in Warschau eintrafen, erwartete uns eine interessante Stadtführung. Wenn man auf dem Marktplatz der Altstadt steht, kann man sich kaum vorstellen, dass dieses Viertel 1945 vollständig in Schutt und Asche lag. Bereits 1953 war der Wiederaufbau im alten Stil abgeschlossen und der Platz ist seitdem wieder Mittelpunkt des städtischen Lebens.

Wir kehrten ein letztes Mal ein und fuhren dann mit der Bahn - wieder mit etlichen Hindernissen, aber trotzdem glücklich und zufrieden - nach Hause. Insgesamt haben wir 400 km mit dem Fahrrad zurückgelegt. Es war ein eindrucksvoller, schöner Urlaub. Herzlichen Dank an unsere beiden treuen Begleiter Kasia und Darek.

Marianne Fritton


Mit dem Schwäbischen Albverein wandern im Nationalpark Bayerischer Wald

Bei der Wanderwoche Bayerischer Wald vom 22.-29. September 2002 sind noch Plätze frei. Wir haben unser Standquartier in Spiegelhütte. Wir werden vom Haus weg auf den Falkenstein (1.312 m) wandern sowie ab Trinkwasserspeicher Frauenau zum Rachel (1.453 m) und ab Brenner (1.034 m) über den kl. Arbersee zum gr. Arber (1.456 m) wandern, sowie kleinere Wanderungen in der Umgebung. Wer hat Lust bekommen und möchte noch mitmachen?

Anmeldungen bei Hans Merkt, Tel. 3760 und Paul Elsesser, Tel. 8671


Voranzeige

Am Samstag, den 17.8. laden wir zu einer Damenwanderung ein. Mitglieder, Nichtmitglieder, Jung und Alt sind herzlich willkommen. Es werden bestimmt für sie ein paar nette Stunden.

Näheres im nächsten Mitteilungsblatt.

Wanderführung: Inge Weiler und Marianne Herzog