Schwäbischer Albverein e.V.

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Mitteilungsblättle vom 17.08.2006


Radtour vom 07.07. - 17.07.2006 nach Polen: Kaschubei und Pommersche Schweiz

Bild: Urkunde Pommern 2006

Am Freitagnachmittag, 07.07. fahren 14 Radler des SAV per Bus und Bahn nach Danzig. Den Samstag verbringen wir in der 1000-jährigen Hansestadt mit einer interessanten Stadtführung und nachmittags mit einer Schifffahrt auf der Mottlau.

Wir fahren an der Westerplatte vorbei, bei der der Zweite Weltkrieg begann. Sonntags geht es mit dem Zug über Zoppot, Reda nach Godetowo bei Lebork (Lauenburg). Hier stehen schon die Fahrräder für die nächsten acht Tage für uns bereit. Jeder freundet sich mit seinem Drahtesel an, und schon fahren wir los bis zu einem unbewohnten Herrenhaus, dessen Garten sich für unser erstes Picknick anbietet. Über malerische Dörfer erreichen wir Stilo. Dort wandern wir zum Leuchtturm, auf dem wir einen prächtigen Ausblick ins weite Land und auf den Ostseestrand genießen. Später radeln wir zum Hotel Palac in Sasino, in dem wir zwei Nächte logieren werden. Anderntags geht’s mit dem Rad zum Slowinski-Nationalpark; er zählt zu den schönsten Parks in Polen. Zu Fuß erreichen wir die berühmten Wanderdünen, die größte Attraktion des Parks, die sich auf der Nehrung zwischen dem Lebasee und der Ostsee befinden. Die Sandhügel erreichen über 50 m Höhe. Unser Weg führt über die Dünen an die Ostsee, die uns trotz ca. 16° zum Baden einlädt. Nach dem Abendessen, das köstlich schmeckt, fährt eine kleine Gruppe mit Jacek, unserem Reiseleiter, zum Sonnenuntergang ans Meer.

Am Dienstag, 11.07. holt uns ein Charterbus am Hotel ab und bringt uns nach Wdzydze Kiszewskie ins Freilichtmuseum. Dort sehen wir typische kaschubische Bauten, u.a. ein Schulhaus und eine Mühle. Anschließend geht es per Rad zu einem idyllisch gelegenen See zum Baden. Danach bestaunen und genießen wir wieder das Picknick, das unser Rad-/Busbegleiter Grzesiek (Georg) in der Zwischenzeit hervorgezaubert hat. Nach 60 km Radstrecke treffen wir in Bytow (Bütow) im Hotel Zamek, einem Schloss, ein. Auch hier werden wir sehr gut versorgt, und später sitzt man im Schlosshof bei einem Bier gemütlich beisammen.

Heute ist im Schloss eine Museumsführung angesagt, so dass wir uns erst um die Mittagszeit auf die Räder schwingen. Auf einer Rundtour genießen wir die herrliche Landschaft mit ihren sanften Hügeln und Seen, bis wir auf unseren Georg treffen, der wiederum einen geeigneten See für Picknick und Badefreuden ausfindig machen konnte. Der Abend wird von einer kaschubischen Folkloregruppe gestaltet, die mit ihren Tänzen und lustigen Spielen für gute Stimmung sorgt.

Donnerstags steht vor dem Schloss ein Charterbus, der uns nach Upilka bringt. Von dort radeln wir auf Wald- und Feldwegen - wieder mit viel Sand! - über bezaubernde Dörfer. Unterwegs wird eine Picknick- und Badepause eingelegt, ehe wir nach 65 km Szczecinek (Neustettin) in Pommern erreichen. Nach dem Abendessen besichtigen wir mit Jacek das Städtchen. Auf dem Heimweg stillen wir unseren Durst auf einer Bierterrasse.

Am Freitag nach dem Frühstück bringt uns der Charterbus nach Borne Sulinowo. Hier hatte die sowjetische Armee 50 Jahre lang ihre Hauptbasis in Polen. Eine Gedenktafel und zahlreiche Gräber erinnern daran. Unsere Radtour führt heute vorwiegend durch Kiefernwälder, sanfte Hügellandschaften, an vielen Seen vorüber nach Czaplinek (Tempelburg). Nach einem Stadtbummel fahren wir hinunter zum See, wo uns ein landestypisches Mittagessen serviert wird. Die Tour geht weiter auf Sandwegen durch Wälder, und nach 55 km Radstrecke treffen wir im Legnica-Palac, einem schmucken Herrenhaus, in Cieszyno Drawskie ein. Sofort wird am Siecino-See, der buchstäblich vor der Haustüre liegt, ein erfrischendes Bad genommen, das alle Strapazen des heutigen Tages vergessen lässt.

Samstags geht es auf eine schöne Radrundwanderung um herrliche Seen. Wir besuchen das hübsche Städtchen Falkenburg, picknicken wieder am See, und kommen nach 45 km ins Hotel zurück. Der Nachmittag steht zur freien Verfügung. Wir baden wieder im Siecino-See, dann geht es auf Erkundungstour im Dorf und später zum Grillabend mit anschließendem Lagerfeuer.

Heute ist Sonntag. Wir werden mit dem Bus abgeholt, steigen auf die Boote um und paddeln drei Stunden auf dem Fluss Drawa abwärts. Wir durchfahren eine wildromantische Landschaft, und durch viele Hindernisse im Wasser, wie Baumstämme, Geäst, Schlingpflanzen wird diese Paddeltour zu einem einmaligen Erlebnis. Zur Mittagszeit radeln wir in ein Gasthaus und werden mit landestypischer Kost verwöhnt. Dann geht es weiter nach Tuczno. Hier wird wieder in einem Schloss übernachtet, das 1945 abbrannte und von 1966 - 1976 in seiner ursprünglichen Pracht, die es im XIII. Jahrhundert entfaltet hatte, neu aufgebaut wurde. Bei unserem Eintreffen im Schlosshof erwartet uns schon unser Georg mit Sekt. Er muss heute noch seine Heimreise Richtung Warschau antreten. Wir verabschieden uns von ihm ganz herzlich; er hat uns schließlich eine Woche lang gut betreut, sei es beim Befördern der Räder, beim Zubereiten des Picknicks oder beim Verteilen unseres täglichen Wasserkonsums. Nachdem wir wiederum vorzüglich getafelt haben, geht es auf einen kleinen Bummel ums Schloss und durchs Dörfchen. Dann lassen wir uns im Schlosshof zu einem letzten Bier / Wodka nieder.

Am Montag, 17.07. fahren wir mit dem Charterbus nach Kostrzyn (Köstrin). Dort sollte eigentlich in die Bahn nach Berlin umgestiegen werden; aber aus dem Zug wird ein Bus, denn ab heute werden die Gleise ausgewechselt, so dass uns der Bahnbus bis Strausberg bringt. Weiter geht’s mit dem Zug nach Berlin. Wir besichtigen den neuen Hauptbahnhof, und dann geht es - wie üblich mit einigen Hindernissen - aber trotzdem glücklich und zufrieden heimwärts.

An dieser Stelle darf ich mich im Namen aller Radler ganz herzlich bei unserem "gelben Engel Kasimir (Kurt)" bedanken, der uns eine ganze Woche lang auf 435 km zurückgelegter Radstrecke aus Sicherheitsgründen als Schlusslicht begleitet hat. Ich bin sicher, er wäre so manchesmal gerne vorneweggefahren!

Marianne Fritton